Als ich zurück kam haben mich viele gefragt: „Hey Paul, wie war es in Indien? War es schön?“.

Darauf war meine 1. Antwort meistens:“ Es war dreckig. Sehr dreckig.“

Aber zurück zum Anfang.

Vom 10.02.2017 – 24.02.2017 flog ich mit meiner Mom und meinem Bruder nach Indien. Meine Kenntnisse zu diesem Zeitpunkt beschränkten sich auf eine 2 stündige Youtube Recherche und einem 360° Indienbericht im Fernsehen. 2 Wochen vorher noch Reisepass erneuert, Visum beantragt, Apotheke geplündert und Impfungen geholt und dann konnte es losgehen.

Meine Freundin und unser Dad brachten uns um 7:00 Uhr zum Flughafen in Leipzig und von dort aus ging es über München nach Neu-Delhi, wo wir 0:30 Uhr Ortszeit (+8h) angekommen sind.

Nun könnte ich jeden Tag dieser Rundreise durch den Norden von Indien beschreiben, allerdings denke ich nach dem 2. Tag würde es keinen mehr interessieren, da wir mit einer 11 Personen Reisegruppe unterwegs waren und größtenteils an dieses immer gleiche und äußerst langweilige Programm für ältere Menschen  gebunden waren.  Wer sich dafür interessiert kann gerne auf die Seite des Veranstalters www.chamaeleon-reisen.de/Asien/Indien/Rajasthan schauen.

Kurze Zusammenfassung

6:00 Uhr Aufstehen

8:00 Uhr Abfahrt

10:00 Uhr Teepause

Besichtigung einer Festung wahlweise auch Tempel  oder kleine Ausflüge

(Kino / Schule /Bauern /Markt )

13:00 Uhr Mittagessen

Busfahrt ins nächste Hotel

18:00 Uhr Abendessen

So viel dazu.

Erkenntnis  nach dem 2. Tag für mich war, dass ich hoffentlich nie in das Alter komme oder mir jemals die Idee kommt, so etwas in dieser Art noch einmal zu machen. Wer es mag, viel Spaß, für mich war es Stress und Hektik pur. Wenn man ein Land fühlen und erleben möchte, dann setzt man sich mal in ein Café oder auf eine Bank im Park und sieht sich mal 2 Stunden einfach um, wie das Leben an einem solchen Ort abläuft oder man nimmt sich ein Tuk-Tuk (Motorad-Rikscha) und lässt sich mal durch eine Stadt fahren oder läuft rum und kommt mit den Leuten ins Gespräch, denn freundlich sind die Inder auf jeden Fall.

Ich möchte euch nun meine Eindrücke und Erfahrungen weitergeben, die ich auf dieser kurzen Reise gesammelt habe.

Immer, wenn wir die Möglichkeit hatten, sagten wir uns von der Gruppe los und versuchten uns ein eigenes Bild dieses Landes und der Menschen zu machen. In meiner eigenen Vorstellung, war Indien immer ein buntes Land mit Wäldern, Flüssen, viel Herz und sehr religiös.

Umso größer war mein Schock darüber, wie ich es erlebt habe.

Ich nenne es das moderne Mittelalter.

Wenn man Rajasthan und Indien bei Google eingibt sieht man tolle Architektur, farbenfrohe Kleidung und wohlgenährte Tiere.

Und so möchte sich Indien auch nach außen präsentieren. Allerdings ist das Bild vor Ort ein ganz anderes. Abseits der Raststätten, Hotels, Tempel und Festungen sieht man, wie es in diesem Land zugeht.

Ein solches Maß an Verschmutzung der Umwelt habe ich noch nie live gesehen. Die Menschen verrichten ihr Geschäft am Straßenrand, überall liegen Berge von Müll und ein Gestank, dass mir ab und an schlecht wurde. Durch diese Verschmutzung und das hohe Verkehrsaufkommen sieht man auch keinen so blauen Himmel wie in Deutschland sondern eher ein durch Smog gefärbtes Blau.

Wenn man dort ist, kann man einfach nicht glauben, dass diese Nation Menschen ins Weltall schickt,  Landwirtschaft noch Handarbeit ist und es einen so großen Unterschied zwischen Armut und Reichtum gibt.

Auch meine Vorstellung vom tierlieben Indien wurde zerstört nachdem ich gesehen habe, wie viele streunende und halb verhungerte Tiere sich durch die Straßen schleppten. Hunde, die getreten und geschlagen werden von Erwachsenen sowie von Kindern. Unsere Reisegruppe wurde schon sehr komisch angesehen, als wir an einer Raststätte (2h nach dem Frühstück) unser Mittagessen einer Hundefamilie gaben anstatt es selbst zu essen.

Ein Mysterium wird für mich auch der Verkehr in Indien bleiben, denn genaue Richtlinien dafür scheint es nicht zu geben, außer immer auf der Hupe bleiben. In Indien ist Linksverkehr, aber Geisterfahrer gehören genauso dazu, wie eine ganze Familie auf einem Motorrad oder Elefanten im innerstädtischen Verkehr.

Viele haben mich vor dem indischen Essen gewarnt und gesagt:“ Iss nix vom Straßenverkauf.“

Ich habe mich daran gehalten und nichts gegessen von dem, was am Straßenrand verkauft wurde.

Auch wenn ich nicht denke, dass es mich umgebracht hätte, aber Bakterien sehe auch ich nicht mit meinem fotografischen Blick.

Die Händler waren alle immer freundlich und fern vom Tourismus auch nicht aufdringlich.

Zu essen gab es eigentlich jeden Tag das Gleiche, was mich die ersten Tage noch nicht so störte, aber man vermisst dann doch irgendwann die Vielfalt und das Angebot, welches wir in Deutschland haben.

Ein paar Mal haben wir uns abends ein Restaurant gesucht und bestellten dann einfach etwas „typisch Indisches“, wobei wir denken, die Schärfe wurde für uns immer angepasst, denn Schweißausbrüche oder ein roter Kopf blieben bei allen aus.

Die Hotels waren der Wahnsinn, aber so richtig Erholung war es für mich nicht, da ich immer die Bilder des Tages von der Armut im Kopf hatte. Eine Scheinwelt, ein harter Kontrast zwischen den reichen und armen Menschen. Die Kinder die draußen in Müllbergen mit einer Tüte an einem Bindfaden Drachen steigen lassen oder betteln gehen müssen, um zu überleben und den vollen Tellern der Hotelbesucher am Abend, die sich darüber aufregen, wenn etwas ihre Vorstellungen nicht zufrieden stellt.

Kurz vor Ende unserer Reise besuchten wir noch eine Behindertenschule/Waisenhaus und bekamen einen kleinen Einblick in das tägliche Leben der Kinder dort.

Zum Abschluss möchte ich sagen, 2 Wochen reichen sicher nicht aus, um ein Land kennen zu lernen.

Fasziniert hat mich aber, dass die Menschen denen ich begegnet bin, alle freundlich waren und auch die Menschen, die ich aus der Entfernung beobachtet habe, nicht unglücklich waren. Eher, dass es innerhalb einer Kaste einen sehr starken Zusammenhalt gibt und dieses materielle Denken noch nicht so verankert ist im Sozialen Bereich, wie bei uns.

Es ist ein anderes Land, eine andere Kultur. ein anderes Leben und für mich eine andere Welt.

Nun lasse ich euch noch ein paar Bilder, damit ihr selbst etwas zum erkunden, entdecken und staunen habt.